Die Diskussion um ein mögliches Atommüllendlager im Thüringer Becken nimmt an Schärfe zu und mit ihr die Kritik am Landrat des Landkreis Sömmerda Christian Karl. Während die Thüringer Allgemeine den Landrat in mehreren Berichten als entschlossenen Kämpfer gegen ein drohendes Endlager porträtiert, mehren sich Stimmen, die genau diese Darstellung als politische Inszenierung betrachten.
Denn eines steht laut Fachleuten seit Jahren fest:
Ein Atommüllendlager im Thüringer Becken ist geologisch so unrealistisch, dass es faktisch längst ausgeschlossen ist.
Das Thüringer Becken ist ein uraltes, großflächiges Senkungsgebiet, das über lange geologische Zeiträume immer wieder mit Wasser gefüllt war daher sein Name. Auch wenn der Prozess einer erneuten Verfüllung hunderte Jahre dauern würde: Für radioaktiven Abfall, der über tausende Jahre sicher lagern muss, ist die Region damit schlicht ungeeignet.
Das weiß die Geologie.
Das weiß die Bundesbehörde.
Und das weiß auch das Landratsamt.
Warum also der große Alarm?
Genau das fragen sich die Kritiker. Statt nüchtern zu kommunizieren, dass der Landkreis Sömmerda aufgrund seiner Bodenstrukturen überhaupt nicht zur Debatte steht, rückt Karl in den Medien als jemand ins Licht, der den Standort „mit allen Mitteln verhindern“ müsse.
Die Vorwürfe sind deutlich:
„Man inszeniert einen Kampf, den es nie gegeben hat.“
„Die Bevölkerung wird mit einer Gefahr konfrontiert, die real nicht existiert.“
„Karl profiliert sich als vermeintlicher Retter, obwohl es gar nichts zu retten gibt.“
Die Logik dahinter sei durchschaubar, heißt es aus politischen Beobachterkreisen:
Erst Angst erzeugen, dann als Held auftreten, der die Region vor einem Projekt bewahrt das niemals realisierbar gewesen wäre.
Im Mittelpunkt der Kritik steht weniger der Landrat selbst als die kommunikative Verzerrung. Denn in der Berichterstattung fehlt ein entscheidender Satz:
„Dieser Standort ist nach heutigem Wissensstand nicht geeignet und wird voraussichtlich auch niemals in Betracht gezogen.“
Stattdessen wird suggeriert, das Thüringer Becken könne ernsthaft für ein Endlager geprüft werden ein Szenario, das von Fachleuten als „technisch unhaltbar“ bezeichnet wird. Die bundesweite Endlagersuche konzentriert sich nach wie vor auf Salzstöcke, ehemalige Bergwerksregionen und stabile Tiefengesteine - Strukturen, die im Landkreis Sömmerda schlicht nicht existieren.
Die Kernforderung der Kritiker ist klar:
Transparenz statt Dramatisierung.
Die Bevölkerung habe ein Recht darauf zu erfahren, dass ihr Lebensraum geologisch nicht im Fokus der Endlagersuche steht. Alles andere wirke wie politisches Theater – aufgebaut, um eine Erfolgsgeschichte zu produzieren, an deren Ende der Landrat als Schutzpatron der Region gefeiert wird.
Ein Kampf um ein Phantom?
Ob diese Vorwürfe haltbar sind, wird sich in der weiteren Debatte zeigen. Doch eines ist bereits jetzt deutlich:
Die Auseinandersetzung dreht sich weniger um Atommüll, sondern um Kommunikation, um politische Wirkung und um die Frage, ob hier ein Problem bekämpft wird, das es nie gab.