Weimar: Politische Spitze im Netz - Ramelow kommentiert Kemmerichs Restaurant-Rauswurf
Der frühere thüringische Ministerpräsident Thomas Kemmerich (ehemals FDP, inzwischen „Team Freiheit“) berichtete Anfang November 2025, er sei mit seinem Sohn in ein Restaurant gegangen und sei mit den Worten „Wir bedienen Sie hier nicht“ abgewiesen worden. Als Begründung habe der Serviceleiter laut Kemmerich angegeben: „Weil Sie Thomas Kemmerich sind.“ Daraufhin mussten er und sein Sohn das Lokal unverrichteter Dinge verlassen.
Der Vorfall hat breite Aufmerksamkeit erregt, weil er eine politische Dimension berührt: Kemmerich war 2020 vor allem wegen Stimmen der Alternative für Deutschland (AfD) zum Ministerpräsidenten gewählt worden ein Umstand, der in Teilen der Bevölkerung und Politik als Tabubruch bewertet wurde.
Nun am 8. Dezember 2025 hat der aktuelle Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Die Linke, früher ebenfalls Ministerpräsident in Thüringen) genau jenes Restaurant besucht und online ein Foto gepostet. Dazu kommentierte er: „Hier hat es einem ehemaligen Ministerpräsidenten gut geschmeckt und die Bedienung war sehr freundlich.“ Mit dem Post machte Ramelow offensichtlich Anspielung auf die Tatsache, dass Kemmerich nicht bedient wurde.
Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die politische Polarisierung und die Grenzen von Gaststätten-Hausrecht und politischer Moral:
Für Kemmerich war die Ablehnung ein Zeichen von gesellschaftlicher Ausgrenzung er sprach von einer „dunklen Seite dieses Landes“.
Für viele Kritiker steht dagegen das Hausrecht eines Wirts im Vordergrund ein Restaurant darf grundsätzlich frei entscheiden, wen es bewirtet.
Der Instagram-/Facebook-Post von Ramelow ist daher mehr als ein reiner Restaurantbesuch: Er setzt bewusst ein politisches Signal — mit einer Mischung aus Genugtuung und Spott.
Der Fall löst Diskussionen über die Grenzen von Meinungsfreiheit, Toleranz und Gastfreundschaft aus:
Einige sehen in der Weigerung, Kemmerich zu bedienen, ein legitimes Zeichen gegen seine politische Vergangenheit und Einstellungen.
Andere warnen vor einer gefährlichen Dynamik: Wenn Wirtshäuser entscheiden, welche politischen Meinungen akzeptabel sind, könnte das zu einer „Filterblase“ im Alltag führen mit dem Risiko von Ausgrenzung und Polarisierung.
Das Restaurant „Zum Schwarzen Bären“ in Weimar existiert laut Berichten seit 1540 und zählt damit zu den ältesten Gaststätten der Stadt. Nach Angaben des Betreibers wird dort bewusst regional gekocht mit Produkten aus der Umgebung.
Laut der Berichterstattung postete Ramelow das Bild bewusst und verlinkte zugleich auf Berichte über den Rauswurf von Kemmerich und dessen Sohn was den Eindruck erweckt, dass der Besuch kalkuliert war, um ein politisches Statement zu setzen.
Der Vorfall zeigt, wie stark polarisiert die politische Lage ist nicht nur auf institutioneller, sondern auch auf gesellschaftlicher Ebene. Dass ein Restaurant dem früheren Ministerpräsidenten den Zutritt verweigert, rückt politische Debatten in den Alltag. Und dass ein Politiker wie Ramelow den Besuch visibel nutzt, macht klar: Für viele Beteiligte ist dieses Restaurant längst nicht nur ein Ort für Essen sondern ein symbolischer Ort des Protests, der Erinnerung und der Haltung.
Ob das Ganze als legitime Zivilcourage, symbolische Geste oder als unverhältnismäßiger Spott gesehen wird, hängt stark von der persönlichen politischen Haltung ab. Fest steht: Der Konflikt um Vergangenheit, Verantwortung und Erinnerung spiegelt sich zunehmend in ganz normalen Lebensbereichen wie Gastronomie und Alltagskultur wider.